Wir haben uns daran gewöhnt, Krieg als einen räumlich und vor allem zeitlich fernen Faktor zu betrachten, der für West- und Mitteleuropa als ein überholtes Relikt aus der Vergangenheit anmutete. Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat dieses Bild grundlegend erschüttert und die als besonders kriegerisch wirkende Zeit vor 1945 wieder stärker ins Bewusstsein gerufen. Die Geschichte Europas erscheint vor diesem historischen Hintergrund grundsätzlich und geradezu systemisch friedlos und das bereits vor den verheerenden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts in der Vormoderne. Dabei ist sogar von der „Bellizität“ (Johannes Burkhardt) als Epochencharakteristikum der (frühen) Neuzeit die Rede. Demgegenüber wird häufig übersehen, dass für die Zeitgenossen nicht der Krieg der Normalzustand war, sondern stets der Frieden, der als erstrebenswert galt. So ist es in den letzten 500 Jahren immer wieder gelungen, Konflikte zu überwinden und stabile, gesamteuropäische Friedensordnungen zu installieren – vom Augsburger Religionsfrieden 1555 über den Westfälischen Frieden 1648 und den Wiener Kongress 1814/ 15. Der Leiter von Archiv und Museen der Stadt Göppingen, Dr. Dominik Gerd Sieber, möchte in seinem Vortrag einen Blick darauf werfen, wie es in der Vergangenheit in Europa gelang, Krieg zu überwinden und dauerhafte Friedensordnungen zu schaffen.