Wenige Jahre in der Geschichte des Landkreises Göppingen waren so ereignisreich und herausfordernd wie 1946. In diesem Jahr kamen in großen Transportzügen zehntausende „Flüchtlinge“ und Heimatvertriebene aus ehemals deutschen Ostgebieten in Göppingen an und mussten auf die Kreisgemeinden umverteilt werden, was für die Orte jeweils einen Bevölkerungszuwachs von 20 bis 30 Prozent bedeutete.
Niemals zuvor und danach war die Kreisbevölkerung innerhalb eines Jahres so schnell angestiegen. Dies bedeutete immense Herausforderungen für die lokalen Verwaltungen, die unter strenger Kontrolle der amerikanischen Militärbehörden standen. Es mangelte vor allem an Wohnraum, Kleidung und Lebensmitteln. Der Schwarzmarkt blühte, „Hamsterfahrten“, Tauschgeschäfte und „Organisieren“ standen auf der Tagesordnung.
Zeitgleich hatte die Auseinandersetzung mit der jüngsten Vergangenheit begonnen, unter anderem mit der „Entnazifizierung“ durch die Spruchkammerverfahren oder die „Nürnberger Prozesse“. Und trotz aller Schwierigkeiten begannen viele Menschen nach zwölf Jahren NS-Diktatur die neue Freiheit wertzuschätzen und neue Einflüsse aufzunehmen.